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die masken |
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Geschrieben von Tina Eiblmaier
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13.06.2006 |
Die Masken
Die Luft war kalt und roch muffig und abgestanden. Es war dunkel bis
auf das wenige Licht, welches von ihrer Kerze ausging. Sie stand am
Fuße einer alten ausgetretenen Treppe, unentschlossen und zögernd. Die
Dunkelheit die sie umfing, haßte sie ebenso sehr wie sie diesen
Weg haßte, aber dort oben war nun einmal der einzig sichere Ort für
ihre Sammlung. Dorthin würde sich so leicht keiner verlaufen.
Sie seufzte.
Langsam, Schritt für Schritt stieg sie den schmalen Gang hinauf. Die
vom Alter geschwärzten Bohlen quietschten und knarrten unter ihren
bloßen Füßen. Ein Luftzug wehte die Treppe von oben herunter und ließ
ihre Kerze flackern. Sie fröstelte und zog ihren Umhang enger um
ihren Körper.
Plötzlich hörte sie ein Rascheln hinter sich. Erschrocken wandte sie
sich um. " Mäuse ", dachte sie und stieg den Gang weiter hinauf.
Endlich gelangte sie an das Ende dieser schier endlosen Treppe. Vor ihr
versperrte eine alte Eichentür den weiteren Weg. Wiederum zögerte sie,
jedoch nur kurz und zog dann schon einen altertümlichen Schlüssel aus
ihrer Rocktasche hervor.
Der Schlüssel war ebenso alt und rostig, wie das Schloß an der Türe.
Mühsam, nur mit großer Anstrengung konnte sie den Schlüssel herum
drehen und dann, indem sie sich mit ganzer Kraft gegen die Türe
stemmte, diese wiederum öffnen.
Dort, hinter jener Pforte, lag eine düstere Kammer. Staubig und fast
ganz in Dunkelheit versunken lag sie vor ihr. Abermals seufzte sie und
trat in den Raum hinein.
Der Raum war fast vollkommen leer, bis auf eine alte verstaubte
Spiegelkomode und einen alten abgenutzten Hocker, welcher vor
derselbigen stand.
Sie stellte die Kerze auf die Kommode und setzte sich auf das verblichene Polster des Hockers.
Ihre schlanken Finger glitten über das alte Holz.
" Zuhause ", seufzte sie und ein anderes Wort strich leise wie der Wind durch ihre Gedanken - " Sicherheit " ...
Sie legte den Kopf in den Nacken und ließ ihren Blick durch den Raum
schweifen. Von der Decke hingen feine Spinnweben herunter und bewegten
sich leicht in einem kaum spürbaren Luftzug. Dann wanderte ihr Blick
weiter zu den alten schmutzig gelben Wänden, an denen die Tapete mit
dem vergilbten Rosenmuster in Fetzen herunter hing, und der Putz, wie
der Sand in einer Sanduhr, herunter rieselte.
Und dort, an diesen vom Alter und Verfall gezeichneten Wänden hing sie, der Grund ihres Hierseins, ihre Sammlung.
Ihr Stolz. Ihre Freude. Ihr Sein.
Masken, fast hundert an der Zahl.
Jede anders in ihrer Art, in Gesichtsausdruck, Wesen und Emotion die sie ausdrückten.
Freude Wut Trauer Zuneigung Mitleid Haß Milde Liebe....
Alle anders und doch so gleich, verbunden durch dasselbe Gesicht, welches die Grundlage von ihnen allen war.
Ihr Blick glitt hinweg über sie alle bis sie einen leeren Haken
bemerkte. Sie seufzte, denn ihr war wieder eingefallen weshalb sie den
Weg herauf gekommen war.
Es war Zeit gewesen zu wechseln, und deshalb war sie hier. Denn was
solle man denn mit solch exquisiten Sammlung wenn man sie dann auch
nicht trüge.
Sie wandte sich um und sah in den Spiegel. Das Antlitz welches er ihr
offenbarte war wunderschön und ebenmäßig. Es lächelte das bezauberndste
Lächeln, welches man sich nur erdenken konnte.
Ihre feingliedrigen Hände wanderten in ihren Nacken. Sie strich ihr
seidiges Haar beiseite und öffnete den komplizierten Verschluß.
Behutsam und mit aller Vorsicht nahm sie die Maske ab, stand auf und hing sie wieder an ihren vertrauten Platz.
Wiederum ließ sie ihren Blick über ihre nun wieder vollständige
Sammlung schweifen, mit stillem Stolz, in sich gekehrt überlegend,
welche dieser Kostbarkeiten sie nun als nächstes tragen solle, als ihr
Blick plötzlich erstarrte.
Ihre Muskeln verkrampften sich und es schien so als ob sie zu einer
Statue geworden sei. Ihr Blick war starr auf einen Punkt im Raum
gerichtet. Ihr Atem war flach und klang gepreßt.
Ein Zittern lief über ihren perfekten Körper.
Aus der Dunkelheit heraus sah ihr ein Gesicht entgegen.
Ein Gesicht und keine Maske.
Schließlich nach wenigen Sekunden erwachte sie aus ihrer Starre. Nein,
nein das wollte sie nicht sehen. Sie griff nach der ihr nächsten Maske
und rannte los.Sie rannte fort, durch die Tür die lange Treppe
hinunter. Während sie weiter so besinnungslos davon stürmte, streifte
sie schnell die Maske über die sie in ihren Händen hielt.
Sie schüttelte sich als ob sie so das Gesicht, welches sie gesehen
hatte aus ihrem Gedächtnis schütteln wolle. Aber das ging so leicht
nicht. Denn dieses Bild hatte sich in ihren Geist eingegraben.
Das Gesicht war im Spiegel gewesen.
Ihr Gesicht.
Es war das Gesicht eines kleinen Mädchens gewesen,
und es weinte...
tina (acila)
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