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Space - Leben im VI. Jahrhundert |
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Geschrieben von Madman
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13.06.2006 |
Ein Paar Stunden im Leben des Stuaart Danteen
Stuaart Danteen wird durch das schrille Alarmsignal des StationCom aus seinem viel zu kurzen Schlaf geweckt.
„Achtung, Achtung, Übung, Einsatz Gruppe Rot-11 – Sammeln an Punkt
Delta-3; -- Achtung, Achtung, Übung, Einsatz Gruppe Rot-11 – Sammeln an
Punkt Delta-3“
‚Warum ich, warum heute’ denkt Stuaart schwerfällig, während er
automatisiert seinen ESuit anlegt. ‚Der Krieg ist seid 18 Jahren
vorbei, die Wavefolkk-Party gestern war ziemlich krass, und es fehlen
noch zweieinhalb Stunden zur Beendigung meiner Schlafperiode’, leise
grummelnd verlässt er seinen Coffin auf dem P-Sektor der Cordoba
FreeStation und begibt sich zum Sammelpunkt.
Wie zu erwarten steht nur eine Wiederholung der „Instruktionen für
Zivilisten von Cordoba FreeStation“ an, dazu ein Vermerk in der
Stationsdatenbank über Einsatz und Zeitgabe der Übung durch den
Reserve-Einsatzoffizier v.D., und dann ist Stuarrt auch wieder in sein
normales Leben entlassen. Nicht genug Zeit, um ins Bett zurückzukehren,
also erst zu HTF-HyperTronFood, ein "Space-Breakfast" zu 4 SolarCreds
und dann an das hauseigene VAC-Terminal (noch mal 1 Credit).
Hmm, die kleine rothaarige Linguaswis-Gildenfrau von der
Party scheint doch beeindruckt gewesen zu sein. Eine kurze, aber
interessante VAM (Visual-Akkustische Mail), sie heißt Soni Terbruk und
würde sich über eine Antwort freuen.
So bessert sich Stuaarts Laune, aber antworten wird er erst nach der
Arbeit. Ansonsten das Übliche: Rechnungen, Steuerbescheide, die
Rechercheanfrage eines Ahnenforscher-Anwaltes, Werbung,
Wahlaufforderung, und die übliche „Politische Aufklärung“ der
Stationsallianz. Dann schaut Stuaart kurz in die Cordoba-Flash-News,
nichts bewegendes auf der Station passiert. Wahlprogosen,
Kriminalitätsstatistiken, Aktienkurse der ipc (Interplataren
Groß-Konzerne). Keine Änderungen bei seinen Aktienpaketen.
Nach einem kurzen Blick auf die Stationsuhr neben dem Tresen
entschließt Staart Danteen sich, seinen HyperCoffie bei einem
Spaziergang über die Promenade der Station zu genießen, bevor er zum
Büro geht. Die Promenade ist der Suk, der Allgemeine Markt der Station,
nicht der Großumschlagplatz der Fernhändler, wo Stuaat in einer
Ladebucht als Registrateur und Rechte Hand des Verwalters arbeitet.
Hier in der Suk-Promenade sind es kleine und kleinste Ladensgeschäfte,
Bauchhändler, Freie Frachterkapitäne, Ladekräfte mit kleinen CarryAlls
oder Verlade-Bots, kräftige Farben und ebensolche Gerüche, die den
Platz bestimmen. Überall sieht man Zobob-Zombies mit stählernen Augen
stumm und hirnlos ihre einfachen Arbeiten verrichten. Bubahfleisch wird
hier genau so angeboten wie Androiden, Replikanten, venusische
Spinnenseide und Anti-Ageing-Cremes neben echten oder gefälschten
Mars-Artefakten. Von der Handelsgilde lizenzsierte „Fliegende Händler“
bieten Erfrischungen wie Sauerstoffduschen und Zitrustücher, Getränke
wie Ischtarisches Dshing oder Sadarnisches Ale und Kleinigkeiten zum
Essen an, machen damit den Bars und Restaurants der Promenade etwas
Konkurrenz, oder den wenigen, die um diese Zeit schon geöffnet haben,
so wie HyperTron oder das berühmte „Atomics“. Ein Organisator im
schwarz-grauen Anzug der Handelsgilde fungiert als Handelsmeister vor
Ort. Mit einem kleinen Scanner-Handcom ausgestattet, kontrolliert er
Lizenzen, Herkunftsorte und Steuerabgleiche der Waren und Händler,
zieht Qualitätsvergleiche und Preiskalkulationen heran, erwirbt
manchmal sogar selbst etwas für die Grauen Handelsmeister.
Ein paar Stände weiter wird ein hoch gewachsener, farbiger Adeliger in
weiten, gelben und roten Gewändern, wahrscheinlich von der Venus, von
seinen Lebwächtern in den Farben seines Hauses durch die Menge
geschleust. Stuaart hat durch seine Arbeit für seinen Chef, Mr. Helic
Faridges genug mit diesen Leuten zu tun gehabt, um zu wissen, dass ihre
Ausrüstung teilweise dem besten kaufbaren technischen Equipment
entspricht, obwohl sie teilweise archaisch aussieht mit den
mittelalterlichen Prunk-Glefen und den reich verzierten Rüstungen. Die
Stangenwaffen sind auf jeden Fall mit Betäubungsstrahlern ausgestattet,
wenn nicht mit härteren Waffen, und die geschwungenen Rüstungen sind in
der Lage, sowohl ballistischen als auch Plasmawaffen entgegenzutreten,
um ihren Herrn zu schützen.
Der venusische Adelige gleitet mit einer irgendwie unaufmerksamen
Eleganz durch die Menge. Er kommt nur kurz zum Stehen, als er mit einer
flüssigen, aber unachtsamen Bewegung einen verkrüppelten Aquarier mit
kleinem Rückentank eine Münze zuwirft, welche dieser mit seinen, mit
Schwimmhäuten bewehrten Fingern auffängt. Der Bettler verschwindet
schnell mit seiner Beute in einem Gang zwischen den Ladengeschäften.
Stuaart wird durch einen mobilen med’narischen Kleinhändler, einem
Ayn’ces-MobSell vom Mars, abgelenkt, der versucht, dem einheimischen
Stationner (dessen Namen er auf dem ESuit lesen kann) einen
Schmuckdolch schmackhaft zu machen:
„Diesen Dolch hat mein eigener Bruder gemacht, Sabhi Dan-teen, ich
sehe ja, sie schätzen Ayn’ces-Kunst, nur 40 Credits, Mister, echter
marsianischer Handarbeit, direkt von Roten Planeten, sehen Sie die
Ornamente, das bezieht sich auf die Hafenstädte an den Kanälen, uralte
Zivilisation, die Stein im Glöckchen stammt aus den Heiligen
Steinbrüchen nahe Baquiirra, die Sol’ins wissen das nicht zu schätzen,
aber hier, in den freien Stationen, nur für 35 Credits, hören Sie,
Mister Dan-teen…“
Stuaart hört sich den Salmon nicht bis zu Ende an, er wimmelt den
kleinen unlizenzsierten Händler schroff ab. Mit aufdringlichen Ayn’ces,
die sich beschweren, kann er gar nichts anfangen. ‚Die sollten froh
sein, das man sie in der HoS lässt’, denkt er, als er ein
positongesteuertes Com-Taxi zum Büro im Andocksektor 3 nimmt.
Heute kommt eine Direktlieferung quadratischer Schweine aus den
LEO-Colonies der Erde; RealFood, kein Zeug aus den Züchter-Bänken. Bei
diesen Sonderladungen ist sein Chef, Mr. Faridges, immer besonders
pingelig, da die Spacetrucker der Sol’ins ein eigener Schlag von
Transporteuren sind, anders als die Spacer oder die Stationeers, so wie
Stuaart Danteen einer ist.
Mini-Glossar:
Aquarier - körperlich veränderter Terraner für Wasserwelten
Ayn’ces - Nicht-Terranische Bewoner des Sonnensystems
CarryAlls - Antigrav-Transporter
ESuit - Emergency-Suit, Notfall-Druckanzug
HoS - "Die Hegemonie von Sol" senatorisches Reich im Sonnensystem
ischtarisch - venusisch (s. Ayn'ces)
LEO-Colonies - Stationsstädte im niedriger Umlafbahn um die Erde.
Linguaswis - Gilde für Politik, Marketing und Sprachforschung
med’narisch - marsianisch (s. Ayn'ces)
MobSell - Fliegender Händler
sadarnisch - vom Saturn
Spacer - Raumschiff-Bewohner, meist Nomaden
Sol’ins - Bewohner der Inneren Planeten (Merkur, Venus, Mars, Erde) und derer bewohnten Monde
Verlade-Bots - Roboter
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