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Leaves' Eyes - Lovelorn Drucken E-Mail
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Geschrieben von Tina Eiblmaier   
13.06.2006
Leaves´ Eyes – Lovlorn
Napalm Records

Vorgeschichte

Vor einigen Monaten war in den verschieden Musik-Magazinen dunkler Couleur in den News Bereichen davon zu lesen, das sich die Band Theatre of Tragedy von ihrer Sängerin Liv Kristin Espanaes Krull aufgrund von `Künstlerischen Differenzen´ getrennt habe und nun ohne sie fortfahren würde. Das war wahrscheinlich eine große Überraschung für viele, selbst für die Betroffene, die bekannt gab, dass sie davon nur aus dem Internet erfahren hatte und noch nicht einmal persönlich oder telephonisch von der Band informiert wurde. Schließlich standen Theatre of Tragedy kurz vor ihrem 10 jährigen Band Jubiläum, und eigentlich deutet nach außen hin nichts darauf hin, das der Haussegen schief hängen würde.
Traurig war dies alles schon, da Theatre of Tragedy mit die ersten waren, die konsequent und auch erfolgreich Gothic Metall mit einer weiblichen Gesangsstimme veredelten, und so viele andere Bands, wie auch zum Beispiel Nightwish ( nach Angaben des Gründers Tuomas Holopainen), maßgeblich inspirierten und ihnen den Weg ebneten.
Aber vorbei ist vorbei, und ein ständiges betrauern der Vergangenheit ist nicht sonderlich Konstruktiv. Dies dachte sich dann wohl auch Liv Kristin, die bekannt gab, das sie zusammen mit den Musikern der Band Atrocity schon an der Arbeit zu einem neuen Projekt befinde, welches den Namen Leaves´ Eyes tragen solle.
Soweit so gut. Schon bald wurde dann das Erscheinen des Debüt Album `Lovelorn´ für den späten Mai angekündigt. Im Vorfeld zur Veröffentlichung konnte man in den gängigen Musik-Magazinen Interviews mit Liv Kristin lesen, die wunderschön gestaltet Anzeigen Kampagne bewundern, die CD Kritiken studieren und auf einigen Magazin-Samplern war einer der Songs vom Debüt hören bzw. sogar das Video zur Singleauskopplung `Into your light´ zu bestaunen .

Das Album ´Lovelorn`

Was das alles jetzt mit dem Album an sich zu tun hat? Eigentlich nicht viel, außer vielleicht als das die Wurzeln derer aufgezeigt werden die nun die ´neue´ Band Leaves´ Eyes bilden.
Nun aber zum Kern dieser Rezension… Das Album.

Konzept? Konzept!

Der Titel `Lovelorn´ stammt aus dem Mittelenglischen und bedeutet laut Quelle soviel wie `unglückliche Liebe´. Und das ist auch wohl die treffendste und kürzeste Umschreibung des dem Album zugrunde liegende Konzepts. Denn ja, sie haben es getan. Sie haben ein Konzeptalbum gemacht!
Für alle denen das vor allem in den 70ern beliebten Stilmittel des Konzeptalbums fremd ist sei es an dieser Stelle erklärt: Ein Konzeptalbum ist ein Album dessen Grundlage ein, wie der Name ja schon sagt, übergreifendes Konzept ist. Also eine Geschichte, deren Erzählfaden von Lied zu Lied weitergesponnen wird, und am Ende ein Gesamtkunstwerk bildet!
Das Album Basiert laut Band auf einer von Liv Kristin verfassten Geschichte in zehn Kapiteln.
Und so besitzt das Album auch zehn Lieder, den `Chaptern´, die musikalisch und textlich die Geschichte der unglücklichen Liebe erzählen.
Sie erzählen von einem jungen Mann und dessen großen Liebe Amelie, welche sich jedoch abwandte und im Meer ertränkte. Bei seiner verzweifelten Suche nach Antworten trifft er auf eine Meerjungfrau in deren Netzen er sich verirrt und verfängt….

Das Artwork

Bei dem Artwork des Albums wurde auf diese Konzept insoweit Rücksicht genommen, als das das gesamte Outlay in Sandfarbenen Tönen gehalten ist. Im Booklet illustrieren, neben den Fotos der Bandmitglieder, die verschiedensten Meeresbewohner(Seepferdchen, Algen, Muscheln, Korallen, Kugelfisch, Seestern) als farblich abgetönte Fotographien oder Zeichnungen die Texte, welche sowohl in Druckbuchstaben als auch in handschriftlicher Form die Geschichte erzählen. Somit entsteht der Eindruck eines Sammelalbums welches man rückblickend über seine vergangen Ferien am Meer erstellt….

Die Songs

Eingeleitet wird das Album durch den hymnische `Norwegian Lovesong´ welcher ja schon auf den gängigen Samplern vertreten war, und wahrscheinlich durch seine Ohrwurmqualitäten einige Gehörgange verstopft.
Danach folgen `Tale of the Sea Maid´ und der erste Metall Kracher des Albums `Ocean´s Way´ bei dem dann auch zum ersten Mal Alex Krull stimmlich spuren hinterlässt, während sich Liv Kristin stimmlich in opernhafte Gefilde begibt.
Hernach in Chapter IV begegnet uns der Titeltrack des Albums `Lovelorn´ eine im Vergleich zum restlichen Album minimalistisch und vielleicht auch ein bisschen folkig arrangierte Ballade.
Daraufhin folgt `the Dream´, welches wieder mit dem Knurrgesang des Alex Krull veredelt wurde und ein wenig shizoid zwischen ruhigen und rockigen Metallparts pendelt.
Es folgt `Secret´, in dessen Mittelteil Liv Kristin sich erneut und wesentlich mehr in den Bereich des opernhaften Gesanges hineinbegibt.
Weiter geht es dann mit `For Amelie´ einer Ballade die anfangs minimalistisch arrangiert, sich im laufe des Songs steigert und als wahrliche Metallballade endet.
Danach folgt das schon fast als klassischer Gothic Metall Track anmutende `Temptaion´ bei dem sich wiederum Liv Kristin und Alex Krull einen Sangeswettstreit liefern.
Diesem folgt dann wieder etwas ruhiger die erste Singelauskopplung des Albums `Into your Light´, einem sehr eingängigen Song der die Balance Zwischen Metallaspekten und ruhigem Bombast spielend schafft.
Als letztes gibt es den rockigen Kick out `Return to Life´ mit dem wir zusammen mit dem tragischen Helden auf opernhaften Wellen die Welt der Meerjungfrau verlassen.

Bonus

Wenn man nun die CD in seinen PC einlegt öffnet sich automatisch ein Menü im Stil des Artworks des Albums, mit dessen Hilfe man nun die einzelnen Tracks anspielen kann. Dann erscheint auf dem Bildschirm der Text des jeweiligen Songs, und die Fotos der Band. Ebenso befindet sich das Video zu der Singelauskopplung `Into your Light´ im Menü inklusive der kompletten Cast Liste.

Fazit:

Mit `Lovlorn´ ist der Band Leaves Eyes ein phänomenales Debüt gelungen, welches eine innere Stimmigkeit und Dichte besitzt, ohne jedoch gleichzeitig glatt produziert zu wirken. Opernhafter Bombast trifft auf Rockigen Gothic Metall, ohne übertrieben Kitsch oder unsinniges Gepose.
Ein Album welches Engelsgleich daherkommt, jedoch auch Ecken und Kanten aufweist.
Das übergeordnete Konzept wirkt sich nicht strangulativ auf die Songs auf, sondern lässt vielmehr bei jenen, die sich darauf einlassen einen Bilderreigen entstehen zu dem die Songs den idealen Klangteppich bilden.
Alles in allem macht diese Platte Lust auf mehr! So darf man dann auch hoffen das Leaves´ Eyes auch weiterhin gemeinschaftlich musizieren, und sie sich auch als eigenständige Band verstehen und nicht als einmaliges Projekt, welchen eine kaum längere Halbwertzeit besitzt als das eigen Debüt.
Gimme more!

Leaves´ Eyes sind:

Liv Kristin Espanaes Krull - Gesang
Matthias Röderer - Gitarre
Thorsten Bauerer - Gitarre
Chris Lukhaupt - Bass
Martin Schmidt - Schlagzeug
Alexander Krull - Gesang und Programmierung
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