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I´m nothing more than a line in your Book (Prosa) PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 1
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Geschrieben von Sarah Droska   
17.02.2008
I´m nothing more than a line in your Book


Sie saß in der S - Bahn nach Hause. Es war mitten am Tage. Die Sonne schien, für den Monat März war es ungewöhnlich warm, nicht unangenehm, nur ungewöhnlich... ,,Na du dumme Kuh, wieder mal ´nen Tag verschenkt ?", dachte sie so bei sich und blickte aus dem Fenster. In 20 Minuten sollte sie circa am Hauptbahnhof sein. Sie hoffte dass der Tag sich noch zum Guten wenden würde, schließlich war ein Mittelaltermarkt und ihre damit verbundene Lieblingsband in der Stadt. Sie hätte gar nicht erst wegfahren sollen, was hat es ihr im Endeffekt gebracht? Sie saß jetzt in der S - Bahn hörte Musik und schaute aus dem Fenster, gebracht hat es ihr nur Verluste, einen versäumten Auftritt ihrer Lieblingsband, einen versetzten Kameraden und eine Verschwendung ihrer kostbaren Zeit. Eine Verletzung ihrer Gefühle.
Die Musik dröhnte in ihren Ohren, sie stellte die Musik noch etwas lauter, soviel wie die kleinen Kopfhörer hergeben konnten. Der Bass war fast Trommelfell zerfetzend, doch das machte ihr nichts aus, sollte er doch nur, so musste sie nicht noch mehr abweisende Worte ertragen. Worte die sie schon lange nicht mehr hören wollte und auch nicht mehr hören konnte. Schmerzende Worte, fast so wie dieser schmerzende Bass. Doch sie konnte die Musik auch nicht leiser machen, sie war wie gelähmt von den Worten, die scheinbar mit der Melodie tanzten. -,,Yeah I´m nothing more than a line in your book" - schrie der Sänger in ihr Ohr. Sie fühlte das was er sang, sie fühlte mit ihm, sie fühlte sich wie er. ,,I´m nothing more about a line in your book". Ich bin nicht vielmehr, als eine Zeile in deinem Buch...Ich bin ein Nichts für dich, nur eine unbedeutende Zeile in einem Buch.
Die S - Bahn fuhr und fuhr und kam ihrem Ziel entgegen. Das Ziel kam näher und war endlich da. Sie stieg aus. Der Hauptbahnhof war voll, ein Raum voller Menschen. Menschenvoll, doch trotzdem fühlte sie sich einsam und vor allem leer. Ihre Gedanken verschwammen mit der Melodie, tanzten mit der melancholischen Stimme des Sängers. -,,Yeah I´m nothing more than a line in your book"- Sie ging durch den überfüllten Hauptbahnhof. Vor sich sah sie einen entfernten Freund, einen Kameraden, einen Bekannten. Er sah so gut gelaunt aus. Sie hätte nach ihm rufen können, doch was hätte es ihr gebracht? Nur gespielte gute Laune ihrerseits... Und sie wollte nicht zu ihm, nein, wenn dann wollte sie zu ihr, um ihre Aufmerksamkeit kämpfen, immer und immer wieder, um jedes Mal doch nur eine Ablehnung zu bekommen... ,,And I´m nothing more about a line in your book". Am Ausgang des Hauptbahnhofs verlor sie ihren Bekannten aus den Augen. Sie suchte auch nicht weiter nach ihm. Schritt weiter, brach ab... Wohin sollte sie nun?! Sie hatte sich den Tag anders vorgestellt. Sie dachte kurz nach und ging Richtung Innenstadt. Richtung Mittelaltermarkt, Richtung Musik, floh aus ihrer Zeit, aus dem hier und jetzt und gab sich völlig den Traum des Mittelalters hin. Doch dies alles lenkte nur ein wenig ab, half ihr nicht weiter... Sie suchte, bettelte, flehte nach Ablenkung, doch fand diese nicht. Die Stadt deprimierte sie nur noch mehr.  So sehr, dass sie nur noch weg wollte, so weit weg, wie es nur ging. Was wollte sie denn noch hier ? Glückliche Pärchen oder große Freundescliquen beobachten, die sie selbst nicht hatte ?

Nein, dass wollte sie weiß Gott nicht sehen. Sie wollte nicht immer wieder an das drängende, pochende Gefühl des Verlustes erinnert werden. Sie wollte nicht daran erinnert werden, dass ihr was fehlte, dass sie nicht so ist, wie die anderen. So wie die anderen war sie nie gewesen, sie war ein Außenseiter wie er im Buche steht, nach außen schillernd auffallend, nach innen zurückgezogen, still, abhängig. Abhängig von ihren Gefühlen. Gefühle, die sie zudem machten, was sie war: ein Außenseiter. Gefühlen leiten und vor allem verleiten einen immer zu den unglaublichsten Dingen. Und das mächtigste Gefühl ist nun mal die Liebe. Die Liebe ist erbarmungslos, herzlos, sie macht, dass du weinst, dass du lachst, dass du frei bist und dich allem hingibst, oder, dass du Gefangener deine selbst bist. Und dieses Gefühl dominierte sie. Übermannte sie, wie ein mächtiges Tier, denn sie war keine starke Persönlichkeit und sie war auch nur jemand, der verzichtbar war. Jemand, der nichts in seinem Leben erreicht hatte und auch nie etwas erreichen wird. -" Yeah I'm nothing more than a line in your book "- Denn sie war nicht mehr als ein unbedeutender Störenfried.
Sie hockte sich in die Innenstadt auf einer Bank und fing an etwas zu schreiben, die dröhnende Musik immer noch im Ohr. Wenn es ums schreiben ging, war sie immer die Ruhe in Person. Sie ließ sich nicht stören, blickte nur ab und zu auf die Uhr um wenigstens den letzten Auftritt ihrer Lieblingsband mitzukriegen. Um noch einen anständigen Platz vor der Bühne zu kriegen, ging sie rechtzeitig los. Kam auch zum richtigen Zeitpunkt an. Die Band baute gerade auf. Sie stellte sich zu den anderen, wartenden Leuten. Unbekannte machten sich nicht allzu schnell ein Urteil von ihr, so dachte sie zumindest immer und deswegen fühlte sie sich in großen fremden Menschenmassen am wohlsten. Die Band begann zu spielen, die Zuschauer gingen voll mit, selbst beim beginnenden Regen blieben alle vor der Bühne stehen und unterstützend die Band. Nach einer guten Stunde war der ganze Spaß vorbei. Triefendnass, aber dafür kurzfristig abgelenkt ging sie, in Gedanken schwelgend, davon.
Was hatte sie von ihrem Leben? Was hatten andere von ihrem Dasein? Im Enddefekt war sie für jeden doch nur eine Belastung, sogar für sich selber. Ihr Leben brachte ihr mehr Schmerzen, als Freude. Sie hatte keine Freunde, wurde höchstens von allen nur ausgenutzt und diejenige, die sie liebte, wollte nichts von ihr wissen.
Sie stellte sich unter einem Vordach und packte das aus, was sie vorhin geschrieben hatte. Es war ein Brief. Sie riss die Seite aus ihrem Block, faltete den Brief und verwahrte ihn gut in ihrer Jackentasche, dann ging sie weiter. Sie ging bis zum örtlichen Emo- und Skatertreffpunkt. Ein Skaterplatz auf einer Autobahnbrücke. Die Emos nannten diese Brücke Spaßeshalber "Suicidebridge". Es war schon spät geworden, auf der Autobahn unter ihr fuhren nur noch vereinzelt ein paar LKWs. Sie blickte kurz die Straße entlang und stellte sich an die Brücke. Niemand war zu sehen. Was hatte sie von ihrem Leben? Konnte sie den ewigen Schmerz weiter ertragen? Wollte sie das überhaupt? Sie setzte einen Fuß auf das Geländer. Ihre Liebe hatte sie heute im Stich gelassen, ließ sie alleine. Ihrem einzigen Kameraden hatte sie für ihre Geliebte versetzt... Sie zog den anderen Fuß hinterher. Alle anderen in ihren Leben brauchten sie nicht, für alle war sie doch nur unbrauchbar. Der MP3-Player lief und lief. Der Sänger schrie ihr ins Ohr. " YEAH I'M NOTHING MORE THAN A LINE IN YOUR BOOK " Und sie sprang...


Liebste,
es tut mir jetzt schon vom Herzen Leid, dass ich dich mit meinen letzten Worten belasten muss, doch du bist mein erster Gedanke am Tage und wirst auch der Letzte sein, wenn ich jetzt von dir gehe. Ich habe dir so oft gesagt was ich für dich empfinde, so oft versucht, näher an dich heranzutreten, doch immer wieder bekam ich von dir nur Ablehnung. Abweisende, verletzende Worte, die mir mehr sagten, als alle deine Taten. Ich kann nicht mehr, ich ertrage es nicht mehr für dich nicht existenziell zu sein. Ich möchte für dich mehr sein, als nur ein dich nervender, kindischer Anhang. Ich brauche dich, ich brauche das Gefühl doch mehr für dich zu sein. Es tut so weh, zu sehen, wie jeder andere dir wichtiger ist als ich. Es tut so weh zu hören, wie egal ich dir doch bin. Es tut weh von dir ignoriert zu werden und es tut noch mehr weh jedes Mal aufs neue festzustellen, wie sehr ich doch alles falsch mache, zu merken, dass ich nie eine Chance bei dir haben werde. Ich habe nun eine Entscheidung für uns beide getroffen. Ich werde gehen, für immer, um dich nie wieder zu belästigen, es ist das Beste, für uns beide. Ich liebe dich. Nur dich allein. Es tut mir leid....


Am anderen Ende der Stadt saß sie mit ihren besten Freundinnen zusammen. Sie wusste nicht, dass sich die, die sie geliebt hatte, gerade von einer Brücke gestürzt hatte. Und ihre besten Freunde meinten noch zu ihr: " Morgen wirst du ihre sagen, dass du sie auch liebst." Doch da war es schon zu spät, denn sie war nicht mehr für sie, als eine Zeile in ihrem Buch... "Yeah I'm nothing more than a line in your book..."

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